An Weihnachten feiern die Christen die Geburt Jesu Christi. Damals haben Maria und Josef höchstens ein Wiegenlied zusammen gesungen, während heutzutage wohl fast jeder zur Adventszeit schon einmal „O du fröhliche” gehört und vielleicht sogar gesungen hat. Es ist nur eines der vielen klassischen Weihnachtslieder, die Herr Rosiny und Herr Bergen für das diesjährige Weihnachtskonzert des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums zusammengestellt haben. Die Herkunft, Entstehungsgeschichte und Bedeutung dieser Weihnachtslieder ist den meisten jedoch unbekannt.

Dieses Jahr schafft die Schülerzeitung Kissingenstrasse12 Abhilfe, in der Hoffnung, dem Publikum einen weiteren Zugang zu den Liedern zu ermöglichen.

„Alle Jahre wieder“ wurde 1837 veröffentlicht und entstammt dem 90. Kapitel aus Wilhelm Heys „Noch Fünfzig Fabeln für Kinder”. Die Melodie, die 1842 erstmals in den „Zwölf Kinderliedern“ im Anhang des „Speckter’schen Fabelbuches” veröffentlicht wurde, hat jedoch Friedrich Sichler komponiert.

Das Lied „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ war ursprünglich ein Lied der Sternsinger aus der Schweiz und wurde im Laufe der Jahre immer wieder neu arrangiert.
Das lateinische Lied „Adeste fideles”, dessen genauer Ursprung unklar ist, ist vermutlich erst im 18. Jahrhundert entstanden. Eindeutig kann „Adeste fideles“ keinem Künstler zugeordnet werden, John Reading oder John Francis Wade könnten jedoch die Komponisten sein. Darüber hinaus kursiert in der Musikgeschichte auch das Gerücht, dass vielleicht sogar John VI., im 18. Jahrhundert König von Portugal und Brasilien, es komponiert haben könnte.

Der Komponist Arcangelo Corelli entwickelte während des Barock besonders das „Concerto Grosso“ weiter. Das letzte und sechste Stück seines Weihnachtskonzerts (Op. 08) ist die „Pastorale“, welche an Heilig Abend gespielt werden sollte. Wie ein Concerto Crosso ist das 1995 komponierte „Palladio“ von Carl Jenkins aufgebaut, das durch seine Harmonie und Ordnung verzaubert.

Das „Lied an den Mond“, dessen Uraufführung am 31. März 1901 stattfand, entstammt der Oper „Rusalka“ von Antonín Dvořák. Rusalka ist ein Wassergeist, welcher durch die Märchen von Karl Jaromir Eben und Božena Nemcová bekannt wurde. Ebenfalls aus dem heutigen Tschechien stammt „Kommet ihr Hirten“, ein böhmisches Weihnachtslied, dessen gedruckte Version bis in das Jahr 1847 zurückverfolgt werden kann.

Die Schneeflocken treiben uns weiter ostwärts nach Russland. Von Pjortr Iljitsch Tschaikowski stammt das Stück „Tanz der Zuckerfee“, erschienen 1892, das uns mit seinem Glockenklang verzaubern soll. Es ist dem weltberühmten Ballett „Der Nussknacker“ zuzuordnen.

Vor der Pause erklingen dann mit „Rolling in the Deep“ (2011) von Adele moderne Pop-Töne, die von Adele selbst einst als „dark bluesy gospel disco tune“ beschrieben wurden. Auch wenn es kein ursprünglicher Gospel-Song ist, war eben jenes Genre für die einstigen Sklaven in den USA und ihrem friedlichen Widerstand von großer Bedeutung. Musik verbindet die Menschen und kann ihnen auch in Zeiten der Unterdrückung Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben.

Nach der Pause werden noch verwandte Titel wie „Swing Low Sweet Chariot“ (1909 vertont) und „Down By The Riverside“ (1918) erklingen.

Weiterhin wird uns zunächst ein Medley von John Williams in das emotionsgeladene Reich der Filmmusik entführen und lässt uns vielleicht in Erinnerungen an große cineastische Werke schwelgen, beispielsweise an „The Wizard of Oz” (1939) von Harold Arlen.
„A Summer Place” von Max Steiner versetzt zwar durch den Titel auch in Ferienstimmung, erinnert

aber vor allem an den gleichnamigen Film aus dem Jahr 1959. Danach folgt der 1962 mit einem Oscar prämierte Song „Moon River“ aus dem Film „Breakfast at Tiffany’s“ (1961), entstanden auf der Grundlage von Truman Capotes gleichnamigen Roman. Das Ganze mündet dann in Emil Walteufels Walzer Op. 183 „Der Schlittschuhläufer“, das tänzerische Glücksgefühle (orchestral) verspricht.

Eines der in den Synagogen vielleicht am häufigsten gesungenen Lieder ist „Al Shlosha D’varim“, was auf hebräisch bedeutet, dass die Welt aus drei Teilen zusammengehalten wird, nämlich Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden. Dieses Lied erinnert an das jüdische Hanukkah, an dem die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem (164 v. Chr.) von den Juden gefeiert wird. Häufig wird Hannukah auch das Lichterfest genannt, da die Menora, ein siebenarmiger Leuchter, im Tempel niemals erlöschen sollte. Kerzen und Licht haben in vielen Religionen der Welt eine Bedeutung. Das Leuchten einer Kerze bot vor der Technisierung Wärme, Schutz und Hoffnung, daher findet sich das Lichtmotiv in vielen Stücken wieder. Auch das 1984 erstmals in Taizés, Frankreich, veröffentlichte „Veni Lumen Cordium“ spricht das Licht der Herzen an. Ursprünglich wurde das Lied von Jacques Berthier, einem Organisten und Pianisten aus Paris, für die „Commonauté“ in Taizé komponiert. Für das Weihnachtskonzert wurde allerdings ein Arrangement von Magaret Rizza ausgewählt.

Auch „Stimmungslieder“ lassen sich beim Weihnachtskonzert des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums finden, wie „Festejo de Navidad“, was zum peruanischen Weihnachtsfest die Menschen begeistert. Weitere Songs wie „Alleluia For Our Time“ und schließlich das anfangs angesprochene „O du fröhliche“ folgen.

„O du fröhliche“ wurde übrigens von Waisenvater und Liederdichter Johannes Daniel Falk verfasst und später von Heinrich Holzschuher umgeschrieben. Spätestens bei diesem Stück ist Jung und Alt, Groß und Klein zum Mitsingen gerne eingeladen.

Laura S., 12. Jahrgang

Dieser Artikel hat 1 Kommentar

  1. Sehr interessant!! Vielen Dank für die spannenden Hintergründe!

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