Die Schülerfirma – was machen die nochmal?
Irgendetwas Geschäftliches? Vielleicht Finanzen? Verkäufe beim Sportfest? Buchführung, Siebdruckverfahren und sowas mit Marketing-Strategien? Oder sind das vielleicht die mit den Kapuzenpullies und den vielen Kisten in Herrn Niemeyers Büro?

Ja, genau die, und mit allen genannten Bereichen setzt sich das elfköpfige Team auseinander.

Listen erstellen, Bestellungen abschicken. Kisten sortieren, Stände bei Events organisieren. Doch all diese Tätigkeiten sind nur ein Bruchteil ihrer eigentlichen Arbeit.

Die Mitglieder der Schülerfirma – das sind die, die sich nicht beirren lassen, sich stundenlang beratschlagen, eingehend diskutieren, weitreichende Entscheidungen treffen und am Ende trotzdem noch zu einem Witz aufgelegt sind.

Das sind die, die unermüdlich rechnen, sparsam wirtschaften, sich geduldig jeder Frage stellen und einem um keine Antwort verlegen sind.

Das sind die, die einander immer beistehen, schwere Kartons schleppen, noch am Sonntag arbeiten, oft in Eile sind und trotzdem ein offenes Ohr für jeden haben.

Das sind die, die sich um alles kümmern, ausführlich und kompetent beraten, Phantasie haben und an etwas glauben.

Wie sind sie nur auf die Idee gekommen, sich in diesem Umfang an unserer Schule zu engagieren, ohne Eigengewinn, ohne Entgelt, ja, obwohl sich die Mitschüler der Strapazen noch nicht einmal bewusst sind?

Nun, vor zweieinhalb Jahren spazierte ein gewisser Herr Köppen in das Klassenzimmer der 8.3 und fragte, ob irgendjemand Interesse daran hätte, sich um den Verkauf der Schülerkleidung zu kümmern und zu diesem Zwecke eine Firma zu gründen. Bald waren ein paar Neugierige gefunden, die sich genauer mit der Idee befassten und zugleich von der Begeisterung angesteckt wurden. Kurzerhand beschlossen sie, einen Großteil ihre Freizeit diesem Projekt zu widmen und standen schon vor dem ersten Problem: Wie sollen wir uns eigentlich nennen? Tja, keine einfache Frage … Nach ausgiebiger Ideensuche, ausführlichem Beratschlagen und langen Diskussionsrunden einigten sie sich auf das originelle ROSA deLUX, doch schon ihr Vorgehen bei der Namenswahl war exemplarisch für die Arbeitsweise der Schülerfirma: Jeder wird einbezogen und darf seine Einfälle mit einbringen, Entscheidungen werden gemeinsam gefällt und alle Vorschläge sind willkommen.

Die Aufgaben der Firma sind unterteilt in Chefabteilung, Sekretariat und Firmenkontakt, Design, Werbung und Finanzen. Die fünf Gruppen arbeiten Hand in Hand, jeder ist Experte auf seinem Teilgebiet und packt trotzdem überall mit an, wo seine Hilfe benötigt wird. Diese Flexibilität und gegenseitige Unterstützung erschafft ein Zusammenhörigkeitsgefühl, das seinesgleichen sucht: Egal ob es um die inhaltliche Erarbeitung der Satzung geht, um das rechtlich verbindliche Eintragen des Vereins oder um den Abbau des noch existierenden Bestandes, der im Keller eingelagert wird, alle Herausforderungen werden gemeinsam angegangen und bravourös gemeistert. 

Die Schülerfirma hat die Aufgabe des Verkaufs von der GSV übernommen und ein vollkommen neues System ausgearbeitet, das auf kollektiven Bestellungen statt auf Vorratswirtschaft beruht. Sie haben das Sortiment um unsere praktischen und zugleich formschönen Beutel bereichert, neue Farben eingeführt und begonnen, die zuvor angefallenen Schulden mit beachtlicher Geschwindigkeit zu tilgen. Wir verdanken ihnen eine klare, transparente Struktur, die es ermöglicht, alle Lieferungen unmittelbar zu verfolgen und die Produkte zeitnah an die Schüler auszuteilen. Noch dazu erarbeiteten sie die wunderschönen Quittungen auf dem Weihnachtsmarkt, die sogar ein firmeneigener Stempel ziert und ein von Grund auf überarbeitetes Finanzkonzept – und doch können sie sich nie auf ihren Erfolgen ausruhen, sind mit der stetigen Verbesserung des Systems beschäftigt, hinterfragen jeden einzelnen Schritt kritisch und geben sich nie mit dem Bestehenden zufrieden, sondern grübeln stattdessen, wie man die Abläufe noch flüssiger und verständlicher gestalten könnte. Ihre unvoreingenommene Haltung gegenüber allen Neuerungen und ihr beständiges Lernen aus den gewonnen Erfahrungen sind bemerkenswert, doch was nützten all diese klugen Gedanken, kühnen Visionen und konkreten Ideen ohne einen kontinuierlichen Meinungsaustausch, eine effektive Konsensbildung, ja, ohne gemeinsame Gesprächskultur?

Eine gelungene Kommunikation ist die Grundlage jedes unternehmerischen Erfolgs.
Schon Rosa Luxemburg wusste um ihre enorme Bedeutung, von ihr stammen die Worte: „Reden ist unser Privileg. Wenn wir ein Problem haben, das wir nicht durch Reden lösen können, dann hat alles keinen Sinn.“ 

Das  verkörpert die Schülerfirma nur allzu gut. Reden.
Mit besorgten Müttern, die Direktbestellungen wünschen, die zu gemeinsamen Aufträgen gebündelt werden müssen, mit aufgeregten Schülern, denen geduldig erklärt wird, dass eine Umbestellung nach der Lieferung nicht im Rahmen der Möglichkeiten liegt, mit neugierigen Ehemaligen und Unterstützern der Schule, die sich nach den Aufgaben und Herausforderungen der Schülerfirma erkundigen – ja, Reden ist Alltag geworden für die Mitglieder der Schülerfirma. Eine klare Kommunikation ist unentbehrlich, wenn es darum geht, allen Interessenten das System der Bestelllisten zu erläutern.

Es ist schwer, zu ermessen wie viel Aufwand mit dem Koordinieren der Abläufe verbunden ist, damit am Ende jeder Kunde das erwünschte Kleidungsstück erhält und glücklich und zufrieden ist.

Doch nur wer all diese Strapazen ertragen, das mühselige Sortieren und Katalogisieren vollendet hat, kann sich über die leuchtenden Augen der Fünftklässler, wenn sie ihre Schulpullover erhalten, so sehr freuen wie unsere Schülerfirma. 

Nur wer nach wochenlanger Vorarbeit mit den Head-Sets beim Weihnachtsmarkt den Transport der Kleidungsstücke vom Keller in die Mensa koordiniert, bibbernd in der Kälte steht und die Kapuzenpullover wieder und wieder faltet, weiß das Glücksgefühl, wenn Abiturienten sich noch eine bestickte Mütze als Andenken erstehen, wirklich zu schätzen. Die vorweihnachtliche Atmosphäre, die abnehmenden Kleiderstapel und das Strahlen auf den Gesichtern der neuen Besitzer machen alle Plackerei wett.

Doch wie gelangt die Schülerkleidung eigentlich zu ihren Empfängern?
Um das RLG mit Schulkleidung zu beliefern, müssen zunächst einmal Listen erstellt und an die Klassen weitergegeben werden. Ein bis zwei mal jährlich erfolgt die Bestellung; die Wünsche der Schüler werden an die Druckerei in Bernau weitergeleitet, wobei auf alle Mindestbestellmengen Rücksicht genommen werden muss. Einige Wochen später werden einige große Kisten in unserer Schule abgestellt. Doch wer wollte jetzt nochmal einen Beutel, wer eine Jogginghose und wer eine Mütze, und welche Größe wurde bestellt? Ach du je, war der gewünschte Pullover nun grau oder blau?

All diese Probleme kennt die Schülerfirma nur allzu gut. Das Sortieren der Lieferungen nimmt Stunden in Anspruch, nicht anders verhält es sich mit dem Austeilen an die Klassenverbände.

Und wann befinden sich alle Kunden im Schulgebäude? Richtig, während der Unterrichtszeiten!
Zu dem Hetzen durch die Korridore auf der Suche nach dem richtigen Raum kommt auch noch der versäumte Unterrichtsstoff hinzu. In den kommenden Tagen werden die Pausen für die Klärung von Problemfällen aufgewendet. Richtig, eine Umbestellung  ist nicht möglich, Verwechslungen müssen aufgeklärt werden und irgendeine Bezahlung ist noch immer nicht erfolgt … 

Wenn alle Misslichkeiten verschwunden sind, nahen auch schon wieder die alljährlichen Konzerte oder ein Sportfest, langweilig wird einem wahrlich nie.

Neue Mitstreiter sind aus diesem Grunde herzlich willkommen – wenn ihr Interesse habt, meldet Euch doch einfach im Klassenzimmer der 10.3 im zweiten Stock des D-Gebäudes!

Als Mitglied der Schülerfirma lernt man, vorauszudenken und jederzeit einen Plan B parat zu haben, auch mit akutem Stress umzugehen und doch immer ein Lächeln auf den Lippen zu behalten
– diese Erfahrungen schweißen eine Gruppe zusammen.

Verantwortung für die eigene Firma zu übernehmen, eine eigene Internetseite zu betreiben, Werbeanzeigen auf die Bildschirme neben den Vertretungsplänen zu schalten und gewissenhaft die Finanzen zu führen – all das sind Tätigkeiten, die einem in dieser oder anderer Form in der Geschäftswelt begegnen, und im Unterschied zu unseren Freiwilligen werden sie dort entsprechend bezahlt!

Wir alle schulden der Schülerfirma unseren Dank, denn sie leistet einen wichtigen und schätzenswerten Beitrag zum Schulleben am Rosa-Luxemburg-Gymnasium.

Und wenn das nächste Mal jemand fragt, was nochmal die Schülerfirma ist, wisst ihr ja jetzt, wie ihr ihm antworten könnt.

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