Was denkst du, wenn du das Wort „morgen“ hörst? Vielleicht „Oh nein, morgen habe ich noch so viel zu tun.“ oder „Oh, cool morgen ist ja Wochenende.“. Ich will mich nicht von euch abgrenzen, aber manchmal denke ich auch „Wie viele „morgen“ gibt es noch?“. Das soll jetzt kein „Carpe diem“- Essay werden, aber fragt ihr euch nicht auch manchmal, wie die Erde in 100 Jahren aussieht oder in 1000? Gibt es noch Menschen oder haben Maschinen die Macht übernommen? Müssen wir mit Atemschutzgeräten durch die Straßen laufen, weil die Luft so verdreckt ist? Gibt es noch Leben auf der Erde oder ist Leben auf der Erde überhaupt noch möglich? Müssen die Menschen auf einen neuen Planeten umsiedeln?

Wie man es auch dreht und wendet: Der Mensch ist an den düsteren Zukunftsaussichten schuld. „Homo homini lupus est.“ (Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf.)1. Nun stellt sich mir die Frage, wie bedrohlich bin ich für mich und meine Mitmenschen und sie für sich und ihre Mitmenschen? Wie kann etwas Menschengemachtes den Menschen zerstören? Und wieso sollte der sonst so egoistische Mensch etwas entwickeln, das ihm selbst schadet?

Der Mensch ist faul. Ich bin faul. Oder warum sonst gibt es Geräte, die uns unsere Arbeit abnehmen? Stellt euch mal vor, es gäbe keinen Computer, und ich hätte diesen Essay mit der Hand schreiben müssen? Die Maschine kann alles. Na ja, so gut wie alles. Abgesehen von dieser ganz unbedeutenden Tatsache, dass Maschinen nicht denken können und deswegen einfach nur die eingegebenen Befehle befolgen. Wir können denken oder könnten es zumindestens. Außerdem hat die Maschine weder Moral noch einen freien Willen, Gefühle oder eine Seele. Sind wir deswegen der Maschine überlegen? Ist Denken überhaupt gefragt? Oder Empathie? Nein! Wieso sollte es? Wieso sollte es besser sein, 100 denkende, emotionale, moralische Menschen als 100 gefühllose, gnadenlos gehorsame Maschinen zu haben? Nehmen wir an, wir befinden uns im Krieg: Ein Roboter, der nur dazu programmiert wurde um zu töten, erhält den Befehl alle Rebellen umzubringen. Ein Soldat, ein Mensch, erhält diesen ebenfalls. Der Roboter steht einem Familienvater gegenüber. Der Soldat ebenfalls. Der Roboter richtet die Pistole auf ihn. Der Soldat ebenfalls. Der Roboter nimmt ihn ins Visier. Der Soldat, mit zitternder Hand und in Gedanken an seine Familie, ebenfalls. Der Roboter schießt. Der Soldat nicht. Der Roboter wird weiter den Befehlen folgen. Der Soldat nicht.

An diesem Beispiel sieht man wohl, dass der Mensch für das Militär nicht besser geeignet ist als der Roboter.

Für unser zweites Gedankenexperiment stellen wir uns eine Autofabrik vor: Die Maschine soll die einzelnen Autoteile zusammenschweißen. Der Mensch ebenfalls. Die Maschine erledigt die Aufgabe mühelos und schnell. Der Mensch braucht doppelt so lange. Außerdem findet er die Bezahlung für seine Arbeit nicht ausreichend und ihm sind die Arbeitszeiten zu lange. Die Maschine beschwert sich nicht und arbeitet einfach weiter. Sie könnte für immer so weitermachen. Der Mensch nicht. Auch in der Wirtschaft erweist sich der Mensch also als nicht sonderlich effizient.

Doch auch die Maschine ist nicht perfekt, sie ist vielleicht in der Ausübung von Befehlen gut und sie kann alle möglichen Daten abrufen, aber sie kann nichts Neues schaffen. Nur auf Altes zurückgreifen. Wodurch die Weiterentwicklung der Gesellschaft lahmgelegt wäre. Die Menschen bräuchte man dann also noch für die Programmierung der Maschinen und für die Entwicklung neuer Ideen.

Ebenso unabdingbar sind die Menschen für soziale Tätigkeiten, da Roboter aufgrund ihrer fehlenden Empathie und Emotionen nicht immer adäquat in der Lage sind, empfangene Signale richtig zu interpretieren und dementsprechend zu reagieren (z.B. Ironie).

Die Frage ist jetzt nur, was ist in einem kapitalistischen System wichtiger? Wirtschaft und Militär oder Kultur und Soziales? Genau! 1:0 für den Roboter. Ausbeutung gleich Gewinn.

Wenn es nun aber Roboter gibt, die in allem viel besser und schneller sind als wir, und wir an Wert und Nutzen verlieren, in welcher Form werden Menschen dann noch existieren? Als freie, einzigartige Individuen? Sicher nicht! Das wäre ja schön blöd. Man möchte doch keine Nachdenkenden. Man möchte Folgende. Man möchte naive, dumme Lämmchen, Jasager. Man möchte kleine Fische mit Glubschaugen, die nicht gegen den Strom schwimmen, machen, was die anderen machen, sich in ihrem Schwarm aufhalten, wo es sicher ist. Warum ich Tiermetaphern benutzt habe? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich mich für etwas Besseres halte. Dem Tier überlegen. Ich kann denken, das Tier nicht. Ganz klar. Aber was ist, wenn der Mensch sich das Denken abgewöhnt oder wenn es ihm abgewöhnt wird? Die Fähigkeit, die ihn zum Mensch macht. Rede ich dann immer noch so klug? Fühle ich mich dann noch besser?

Wir Menschen sind schon etwas Eigenartiges. Wir sind wie Geier, gierig nach dem Aas. Wir picken uns die Augen aus, wenn wir dafür etwas mehr von der Beute bekommen. Wir sind wie Löwen, im Kampf um die Führung des Rudels, stellen uns aufrecht hin, um imposanter zu wirken. Wir sind wie dumme Hennen, die hoffen auch mal ein Korn zu finden. Wir sind wie blinde Maulwürfe, die kaum einen Meter weit sehen. Wir sind wie Pfauen, eingebildet und stolz. Wir sind wie verwirrte Herdentiere, deren Vernunft sagt, dass wir unsere Herde brauchen, unser Egoismus jedoch, dass wir auch ohne Herde bestehen können. Das ist die Natur unseres Wesens, wir können gar nicht anders. Es ist nicht unsere Schuld. Wir tragen den „Fluch“, namens Verantwortung, nicht. Das Einhalten der Verpflichtung der Erde gegenüber, sie zu achten, wertzuschätzen und zu erhalten, ist nicht so unser Ding. Es scheint, als hätten wir einen Selbstzerstörungstrieb. Doch woher rührt das? Aus Selbsthass oder aus Hass auf unsere Spezies?

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich lege Wert auf den Erhalt von Kultur und Empathie sowie auf mein Dasein als freies Individuum. Aber ihr habt die Wahl, noch könnt ihr es entscheiden: Sei ein stummer Fisch, der weiter mit dem Strom schwimmt, oder sei ein denkender Mensch und gestalte deine Zukunft.

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