1a.

Echtheit einer Person oder Sache; völlige Übereinstimmung mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird

Das ist die Definition von Google für das große Wort Identität. „Wer bin ich?“ ist die Frage nach der eigenen Identität. Was ist meine Echtheit? Identität ist ein Wort, ein Ding, wovon ich schon so oft gehört habe, ich mir aber immer noch nicht sicher bin, ob ich es richtig begriffen habe.

Jeder hat sich schon einmal gefragt, wer er eigentlich ist und wer er sein soll. Wer bin ich? Wer glauben DIE, bin ich? Und wer will ich sein?„Bitte nehmen Sie eine Identität an, bitte nehmen Sie eine Identität an, BITTE NEHMEN SIE EINE IDENTITÄT AN!!!“ (Käpt’n Peng, Sein Name sei Peng). Das hören wir überall. Überall wird es in unser Gesicht gespuckt. Nicht nur am Flughafen. Nicht nur am Clubeingang. Zu Hause. Auf der Straße. Unter Freunden. Mit Familie. Bei uns selbst. Im Bett, wenn wir uns nachts alleine im Dunkeln fragen, wer wir denn eigentlich sind. Welche Identität sollen wir annehmen? Sollen wir uns unsere eigene erschaffen? Die, welche uns von den Mitmenschen geboten wird, uns angeklatscht wird? Die, die wir ja irgendwie haben müssen; von der wir aber nicht wissen, welche sie sein soll? Die, welche wir haben wollen?

Es steht ein gerahmtes Bild von mir als 5-jähriges Mädchen vor mir auf dem Tisch. Die nackten Füße stecken tief im Sand, breitbeinig, die Beine leicht nach innen verdreht. Ich habe ein Kleid an, das ich nie gemocht habe. Mein Kopf trägt einen ausgeblichenen rosa Sonnenhut und ist schräg zur Seite gelegt. Meine Arme und der Blick dazu sprechen Bände: Der rechte Unterarm ist nach oben geklappt und ich halte drei Finger hoch. Aber so komisch auseinander gespreizt, so als würde ich irgendein Handzeichen zeigen wollen. Sieht ein bisschen aus wie eine Pistole vielleicht. Mein Blick nur so: Hihi, ich mach‘ Quaaatsch!Larifari, mir geht’s gut! Guck guck Mama! Die andere Hand ist offen und horizontal nach oben gehalten.

Und dann fällt mir auf, dass ich immer noch genauso bin wie damals. Nicht nur, dass ich tatsächlich mir im Gesicht ähnlich sehe, sondern auch meine Denkweise und die Art, wie ich auftrete. Ja, ich könnte auch heute noch so ein Gesicht machen. Ich stecke immer noch mit den Füßen im gleichen Sand. Wenn ich auf einem Berg stehe und von einer Klippe hinunterschaue, ich vorne im Auto sitze und wir auf die Autobahn brausen oder ich in meinem Zimmer sitze und eine alte Melodie aus einem lange nicht mehr gesehenen Film höre, fühle ich dasselbe. Ich merke, dass diese Gefühle etwas sind, das schon immer Teil von mir war. Ich spüre eine konstante Verbundenheit zu meinem früheren Ich. Sie ist wie eine kleine Schwester für mich, mit der ich mich immer gut verstehen werde. Die Grundeinstellung zur Welt ist immer noch so da. Das sind die Dinge, bei denen wir nicht genau sagen können, wie lange wir sie schon denken. Das sind die Meinungen, die sich einfach nicht mehr ändern werden. Ich werde immer eine Welle von Glück verspüren, wenn ich mit meinem Vater lauthals singend auf die Autobahn brause. Und das habe ich schon mit 6 getan. Und ich werde auch immer mit dem Kopf in der Badewanne untertauchen, mindestens einmal. Es sind Dinge, Gefühle, Gedanken, Ströme. Die sind so schwer zu beschreiben oder zu erklären, aber ich kann sie spüren.

They think they know me, but how can they know me? I’m getting to know myself. I’m finally ready to be somebody with a story to tell (Alive von Becki Ryan).Diese Zeilen bilden die Bridge meines früheren Lieblingslieds aus dem Film Flicka. Sind wir selbst die ersten, die unsere „wahre“ Identität kennen können? Wie kann jemand anderes uns jemals sagen, wie wir zu sein haben sollen? Das ist die große Aufgabe für das Leben eines jeden Menschen: Sich selbst einzustellen, sich selbst zu formen. Vielleicht kann man am Ende sagen, dass man bereit zum Brennen und Glasieren ist; für die Ewigkeit so bewahrt werden kann. Oder aber man ist sich sicher, dass jedes Stadium seiner Identität zu jeder Zeit die wahre war. Jemand, der viele Geschichten erzählen kann.

Wir bekommen unsere Identität zu spüren, wenn wir uns MIT etwas identifizieren können. Mit einem Song, einem Zitat oder einem Bild. Kunst ist ein Spiegel unserer Identität. Die Sachen, bei denen wir das Gefühl haben, verstanden zu werden, geben uns Kraft. Meine Freunde setzen mir keine Maske auf, sondern sie dürfen mitkneten. Wir bauen uns zusammen unsere Persönlichkeitspaläste auf. Unsere Identitätsgärten. Wenn wir uns mit etwas oder jemandem identifizieren können, ist das eine Bestätigung, dass das ein Teil von uns ist. Am besten kann ich mich mit meinem früheren Ich identifizieren.

Ich glaube, Identität liegt über uns wie eine bunte, lebendige Decke aus weichem Stoff. Wir müssen gar nicht so viel darüber nachdenken. Natürlich haben die anderen ein bestimmtes Bild von uns. Nicht alle das gleiche. Aber das können wir selber zu 100% beeinflussen, verändern oder auch einfach so gutheißen. Wir selber haben vielleicht nicht immer eine klare Vorstellung von dem, wie wir uns verhalten wollen, was wir erreichen wollen, was für uns wichtig ist. Aber wir können zurückblicken. Und uns an unsere Emotionen erinnern. Denn was uns berührt, kann uns viel über uns selber verraten. Wir brauchen keine Angst vor unserer zukünftigen Persönlichkeit zu haben. Wir werden sie uns aus dem Konfetti um uns herum zusammenbasteln und mit Erfahrungen aufbauen. Das Leben und unsere innere Stimme in unserem Kopf formen uns zu dem, was wir sind.

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