Liebe Leserschaft,
„Was war das denn? Wieso waren das so viele Hydes?
Wie hätte ich denn bei dem schlechten Licht was sehen sollen?
Wo bitte ist der Anfang und wo das Ende hin? Gab es denn überhaupt keine Struktur?“
Das würde vielleicht mein Hyde sagen, wenn ich ihn denn mit Hilfe eines Zaubertrankes von meiner Persönlichkeit als Verkörperung allen Bösen abspalten würde.
Das Publikum war (laut einiger Befragter) vor allem der Meinung, dass die  Kulisse und die Lichteffekte besonders gelungen wären, was ich nur bestätigen kann.
Da mich sowohl die Thematik als auch die vorgenommene Inszenierung interessierte, besuchte ich am 24.02 das Stück Hyde – angelehnt an den Roman „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von Robert L. Stevenson – in unserer Aula.
Es wurden einige Änderungen an der Originalgeschichte vorgenommen, zum Beispiel wurden die Rollen Poole und Utterson zu weiblichen Personen, und anstatt nur eines Hydes gab es für jede böse Eigenschaft Jekylls einen anderen Hyde, der diese verkörperte, was manchmal allerdings zu einiger Verwirrung führte.
Zugegeben, durch den plötzlichen Einstieg erschien das Stück etwas undurchsichtig, vor allem für diejenigen, die die Grundzüge der Geschichte nicht kannten, doch da ich ungefähr wusste, worum es ging, fiel es mir nicht allzu schwer, mich von der spannenden Handlung mitreißen zu lassen.
Meiner Meinung nach wies die Umsetzung allerdings trotzdem einige Schwachstellen auf, so war zum Beispiel der Wechsel zwischen den stürmischen Hyde-Auftritten und den eher ruhigeren Gesprächen von Jekyll und Utterson etwas ausbremsend für das allgemeine Spieltempo und hat die davor aufgebaute Spannung in Luft aufgelöst.
Was das Stück jedoch trotz allem für mich zu einer wirklich sehenswerten Aufführung gemacht hat, waren nicht nur die (meistens) überzeugenden Darstellungsweisen der wahrhaftig nicht untalentierten Schauspieler, sondern auch das schlichte Bühnenbild, die Kostüme und das Make-up, wobei letzteres vor allem durch die eindrucksvolle Wirkung der fluoreszierenden Akzente aufgefallen ist.
Auch der gezielte Einsatz des Lichts und dessen Zusammenspiel mit dem reflektierenden Hintergrund hat die besondere Stimmung zusätzlich unterstrichen.
Die durchaus als Merkmal des epischen Theaters erkennbaren Publikumsansprachen haben die Zuschauer immer wieder mit einbezogen und mich noch zusätzlich zum Nachdenken angeregt und dazu motiviert, vielleicht einmal das Buch zu lesen.
Und wenn man eines von Hyde gelernt hat, dann dass wir alle einen bösen Teil in unserer Persönlichkeit besitzen, der auch ohne magische Chemikalien manchmal zum Vorschein kommt, wobei das nicht wirklich zufriedenstellende Ende leider doch zu abrupt kam – schade, nun werden wir wohl nie erfahren, ob der gute Teil im Menschen das Böse nicht doch noch besiegen kann.
von Lilian Hurst

Rezension zu Hyde:  http://kissingenstrasse12.blogspot.com/2011/03/hyde-your-fear.html

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.