Schokolade mit Milchcrèmefüllung… Zack! Mein Blick fällt auf die Nährwerttabelle. Eine Portion ergeben drei Stücken Schokolade. Das sind 20 Gramm, die einen Brennwert von 115 kcal haben. Mit 1800 kcal täglich, nehme ich sieben Kilogramm in vier Wochen ab. 1500 kcal habe ich heute schon eingenommen und das Abendbrot, welches in Arbeit ist, deckt dann noch die fehlenden 300 kcal. Da schaden doch die 115 kcal der Schokolade nicht. Und auf einmal liegt die Summe am Abend bei 1915 kcal. So besonders gut fühle ich mich nun aber nicht. Nun schwirrt mir der Gedanke im Kopf: Jetzt werde ich niemals sieben Kilogramm abnehmen. In vier Wochen? Das wird sicherlich nichts. Mal wieder konnte ich meine Ziele nicht einhalten und war mir in gewisser Weise selber nicht treu.“1Zwar schaue ich nicht auf Nähwerttabellen und zähle meine eingenommen Kalorien, doch dennoch tun dies Menschen und erwischen sich selber dabei, wie sie sich in kleinster Form hintergehen. Warum genau sie dies tun, hängt von vielen verschieden Faktoren ab. Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie waren sich selbst nicht treu.Vorab bedeutet Selbsttreue für mich die Übereinstimmung des psychischen und physischen Selbst gegenüber jeglichem Verhalten.So stellt sich mir die Frage, inwieweit kann ich mir in meinem Leben selber treu sein? Aufgrund meines doch jungen Alters, basiert dieser Spaziergang durch meinen Kopf, stets auf der subjektiven Ebene meiner Wahrnehmung des Lebens.

Die Verletzung der Selbsttreue kann verschiedene Ursachen und Folgen auf die Person selbst haben.

Wie vorhin schon erwähnt hintergehen wir uns selbst, einzeln und ganz individuell, recht häufig. Zwar kommt es bei mir nicht zu diesem Phänomen mit der Schokolade oder im Allgemeinen zum Diatverrat, sondern eher zu leeren Versprechungen oder ich halte etwas Vorgenommenes nicht ein. Das passiert mir sehr häufig mit schulischen Aufgaben. Beispielsweise nehme ich mir vor, die Hausaufgaben, die zu Donnerstag auf sind, schon am Dienstag zu erledigen. Doch was passiert? Ich mache sie erst am Mittwoch. Dadurch habe mich ganz schnell selbst hintergangen. Die Folgen sind zwar nicht dermaßen fatal, aber dennoch spürbar. Allerdings könnte ich mich hier schnell bessern, was bei größeren Sachverhalten nicht mehr der Fall ist. Da bei diesem Aspekt, nur eine Person, in jeglicher Form dazu beiträgt.

Vergrößert man das Ganze, bin ich bei einer kleinen Gesellschaft – meinem Umfeld. Nun betrifft es nicht mehr nur mich selbst, sondern auch eine oder mehrere Personen. Dazu gehören Familie, Freunde, aber auch die Schule: Andere Mitschüler und auch Lehrer. Bei Familie und Freunden, kommt es bei mir so gut wie nie zu einer Verletzung der Selbsttreue. Da ich bei Ihnen Ich selbst sein kann. Durchaus kommt es auch zum Hintergehen, aber bei mir zumindest ist die Folge nicht gravierend, beispielsweise, wenn ich nicht ganz ehrlich bin oder ähnliches. Hier sollte man allerdings auch seine Grenzen kennen. Doch inwieweit ist man überhaupt der Familie und den Freunden gegenüber aufrichtig…? In manchen Familien kommt es dann zu schwerwiegenden Unstimmigkeiten, wenn zum Beispiel die sexuelle Orientierung des Kindes nicht toleriert wird. Bei Mitschülern hingegen, kommt es bei mir häufiger zur Verletzung meiner Selbsttreue. Vor allem, um größeren Problemen aus dem Weg zu gehen. Ob ich meine Meinung nicht preisgebe, da ich zu faul bin um zu diskutieren, oder es die andere Person verletzen könnte, ist vollkommen egal. (Der Mitschüler handelt hier nur passiv.) Letztendlich handle ich so, obwohl ich eigentlich hätte anders handeln wollen. Schon hier wird deutlich, dass das Hintergehen der Selbsttreue von Person zu Person andere Gründe und Auswirkungen hat. Beispielsweise teilt mir ein Schüler seine Meinung nicht mit, da er möglicherweise Angst vor meiner Reaktion hat. Was wieder ein anderer Grund und eine andere Ebene wiederspiegelt. Somit sind sich Menschen einerseits untreu, wenn sie unsicher und schwach sind, wie hier der Mitschüler. Ähnlich wie bei Lehrern, bloß hier bin ich von Ihm abhängig (Benotung). So werde ich teilweise, aber auch nicht immer, dadurch eingeschränkt, beispielsweise beim Mitteilen meiner Meinung. Der Lehrer teilt sie nicht und die Bewertung erfolgt schlechter. An diesem Beispiel wird deutlich, dass man aufgrund von anderen (aktiv handelnden) Menschen, sich selber auch untreu sein kann.

Eng verbunden mit der Gesellschaft sind auch Politik und Wirtschaft. Aufgrund meines jungen Alters, sind diese Aspekte möglicherweise nicht sonderlich differenziert und ausgeprägt. Ich lebe in einer Demokratie. Dadurch genieße ich Meinungsfreiheit. Meine subjektive Einschätzung wird also nicht durch eine höhere Macht (Regierung) eingeschränkt, wofür ich sehr dankbar bin. Ich kann demonstrieren, ich kann protestieren – Ich kann meine Meinung frei äußern, ohne dafür verurteilt zu werden. Dies ist leider nicht überall auf der Welt so. Menschen die in solchen Regionen leben, werden dann regelecht dazu gezwungen, sich selber untreu zu sein. Mir wird diese Freiheit nicht genommen. Inwieweit sind wir in unserem Leben eigentlich frei…?

In der Wirtschaft existieren Rechte und Pflichten, die gesetzlich einzuhalten sind. Diese sind wichtig für den Verbraucher und für die Angestellten und Arbeiter. Bei Verstoß erfolgt also in gewisser Weise Untreue.

Zuvor habe ich nur von psychischen Wechselwirkungen gesprochen. Doch was ist mit einer aktiv-physischen Veränderung des eigenen Körpers, etwa durch Schönheitsoperationen. Wird einem Menschen dadurch nicht, aus anthropologischer Sicht, seine Einzigartigkeit genommen und wäre man so dem Körper nicht untreu? Muss man somit zuerst sein Gegebenes (durch Gene) akzeptieren, bevor man sich überhaupt selbst treu sein kann?

Zum einen ja, aber aus der psychischen Sicht und aus meinen Erfahrungen gehört zur Erhaltung der Selbstreue auch noch folgendes hinzu: Zuvor sollte man in der Lage sein, sich selbst reflektieren zu können, um eigene Treue und Untreue zu erkennen. Sich selbst treu zu bleiben beziehungsweise zu sein, erfordert psychische Stärke und Stabilität. Dieses Vermögen kann man trainieren und weiter ausbauen, um ihrer Verletzung entgegen zu wirken. Zusammenfassend ist zum einen die Selbsttreue an sich individuell und somit auch ihre Verletzung, also ihre Ursache, und die daraus resultierenden Folgen.

1fiktive Geschichte

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