Fotoanalyse zu Jeff Wall »Doppel-Selbstporträt« (Matteo, Sofia, Janos, Frederik)

Bildschirmfoto 2017-12-11 um 21.01.22

Die Fotografie »Doppel-Selbstporträt« von Jeff Wall aus dem Jahr 1979 stellt zwei Männer in einem Raum dar. Es handelt sich um ein- und dieselbe Person. Allerdings erkennt man dies erst auf dem zweiten Blick, da die verschiedenen Körperhaltungen diese Wahrnehmung verzögern. Es ist eine Bildmontage in Farbe. In erster Linie erscheint die Wirkung des Bildes kalt und ungemütlich.

Das Bild ist im Querformat angelegt und in der Halbtotalen fotografiert. Dadurch hat man das Gefühl, auch in dem Raum zu stehen, denn durch derartige fotografische Gestaltungsweise scheint man als Betrachtende den Personen im Bild gleichgestellt zu sein.

Die dominierenden Kompositionslinien sind die Mittellinie, die ungefähr auf der Ecke der Wand liegt, und eine Parallele, die auf der Höhe des Hosenbunde bzw. des Gürtels und des Sofas zur Mittellinie hin in Wirkung tritt.

Das Bild wirkt also relativ geordnet, wobei die Decke auf dem Sofa auffällig anders ist, da sie korrekt leicht umgeschlagen ist und somit zum linearen Sujet eine gewisse Unruhe oder Störung hervorruft.

Der Farbton ist kühl und besteht hauptsächlich aus blaugrauen und bräunlichen Tönen. Dadurch wirkt das Bild zurückhaltend und steril. Besonders hervor sticht der weiße Stuhl im Vordergrund. Dieser weiße Farbton findet sich auch im Hemd des auf der linken Seite stehenden Mannes wieder.

Gleichmäßig verteilen sich helle und dunkle Flächen im Bild. Konturen sind klar erkennbar und unterstützen einige starke Kontraste zwischen Stuhl und dunkler Hose sowie in Bezug zum Sofa. Ein solches Zusammenspiel akzentuiert und erzeugt Spannung.

Ebenso gleichmäßig ist die Bildschärfe, wodurch kein direkter Fokus gesetzt wird. Im Gegensatz dazu wirkt das Bildsujet eher dokumentarisch und ernst.

Künstliches Licht von vorn unterstreicht diesen Eindruck.

Der Blick der beiden Personen zielt direkt in das Kameraauge und nimmt somit den Betrachtenden ins Visier. Merkwürdigerweise fühlt man sich, kritisch oder anklagend beäugt zu werden. Grundsätzlich bekommt man ein ungemütliches, unbehagliches Gefühl. Dieses Gefühl verstärkt die steife und scheinbar verkrampfte Körperhaltung der beiden Personen.

Es wird eine gewisse Distanz geschaffen und es scheint, als ob die beiden Männer auf eine Reaktion des Betrachtenden warten.

Trotz der unterschiedlichen Körperhaltungen und der Kleidung gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Männern. Hier spielt die Blickführung eine besondere Rolle.

Verbindungen werden auch durch die Farben hergestellt, wie etwa zwischen dem weißen Stuhl und dem weißen Hemd des linken Mannes und der Hose sowie dem Sofa. Auch der blaue Farbton des T-Shirts des rechten Mannes findet sich im Raum wieder.

Abschließend lässt sich sagen, dass der erste Eindruck durch die Analyse bestätigt werden kann.

Kalte Farben, verkrampfte, steife Posen der Personen und deren wartender Blick suggerieren diese kalte und ungemütliche Stimmung. Auch die verschränkten Arme der linken Personen deuten eher auf Verschlossenheit hin und wirken trotz des direkten Blickkontaktes zum Betrachtenden nicht einladend. Es ist, als ob man zufällig in eine duellierende Situation gestolpert wäre, die man vor lauter Beklemmung schnellstmöglich wieder verlassen möchte. Jeff Wall hat den Betrachtenden mit dieser Bildmontage in eine höchst spezielle Lage manövriert. Was wohl in den Köpfen der beiden Herren vor sich geht und ob sie tatsächlich so diametral verschlossen sich selbst und allen anderen gegenüber treten, erfährt man nur, wenn man das Gedankenspiel wagt. Wall inszeniert dieses Sujet allegorisch und überlässt die Entschlüsselung dem Publikum.

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