Seit einigen Wochen bereitet mir meine Lieblings-Donnerstagabendserie keine Freude mehr. Während sie mir früher stets half, den Erschöpfungszustand, der mich zu diesem Wochenstadium regelmäßig befiel, zu ertragen, leistet sie das heute nicht mehr. Schuld daran sind die ewigen Wiederholungen. Beim zweiten Mal noch irgendwie lustig, verliert auch die beste fünffachgezeigte Folge irgendwann ihren Reiz.

In meiner sich steigernden Verzweiflung schaue ich mittlerweile sogar schon Dokumentationen über Tiere. So kann ich zumindest wieder gut einschlafen. Dabei erinnerte ich mich letztens an einen Ausspruch eines bekannten Pankower Theologen. Zynisch verglich dieser das Fernsehen und die Weltgeschichte. Die wichtigste Gemeinsamkeit: Der größte Mist wird immer wiederholt.
Am Morgen danach wachte ich mit furchtbaren Kopfschmerzen auf. Mein erschöpfter Körper war nämlich vor dem Fernseher und auf meinem Geschichtsbuch in den Schlaf des Gerechten gesunken, als Naturbursche GerbotSchörr die Entwicklung der modernen Aquakultur West-Neuguineas im späten 20. Jahrhunderts bejubelte. Jenes Geschichtsbuch aber war es, das mich den nächtlichen Gedanken anzweifeln ließen. So einfach ist das mit der Geschichte nicht, dachte ich. Auch wenn die Vorstellung im Geschichtsunterricht schnell aufkommt. Auch wenn Quellenanalysen wie TV-Wiederholungen sind. Geschichte, als eine Aneinanderreihung und Verflechtung von Ereignissen verstanden, wird von Menschen gemacht. Solche Menschen, die zur damaligen Zeit am jeweiligen Ort waren nämlich. Kaum jemand wird ernsthaft behaupten, der Mensch habe sich Zeit seiner bisherigen Existenz nicht verändert. Tatsächlich kann man schon durch trivialste Beobachtungen einen enormen Fortschritt in Wissen, Technologie und Lebensstandard feststellen. Dazu muss man den Menschen, die in Deutschland von Harz 4 leben, noch lange keiner spätrömischen Dekadenz bezichtigen. Vielmehr beweist doch unsere heutige, von Sklaverei und Oligarchie weit entfernte Gesellschaft, dass die Menschen heute nicht genau wie damals leben, dass sie anders sind.Und da die Menschen sich anders verhalten (können), verhält sich auch die Geschichte nicht gleich. Wäre dem nicht so, man müsste behaupten, die Menschheit sei statisch und zu keiner Veränderung imstande.
Ich würde mich nicht, so wie einige Geschichtsphilosophen dies tun, dazu hinreißen lassen, dass wir uns immer zum Besten entwickeln würden. Doch ebenso kann man wohl die Geschichtspessimisten, welche den Glauben an die Veränderung zum Guten verloren zu haben scheinen, widerlegen und gleichzeitig aufrichten. Das ist bei meinem Fernsehgerät schon schwieriger.
von Straße 103

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