Es schieben sich weiße Finger über den dunklen Stoff, hager, fast zu lang, gespenstisch anmutend. Eine Hand, bei der sich die feinen Knöchel abzeichnen, ovale Nägel mit bleichen Halbmonden, leicht gekräuselte Haut.
Nach und nach wird der nackte Unterarm vorgekurbelt, dann erscheint die geisterhafte Gestalt: ein maskenhaftes Grinsen sitzt in den Mundwinkeln, der Körper wird von Beben erschüttert, bäumt sich auf, taumelt benommen auf den Bühnenrand zu, bis sie die Arme hochreißt und in einer jähen Bewegung der Kopf in den Nacken geworfen wird. Verschnörkelte Zeichen huschen über die Aulawand, erzählen von Liebe, Sühne, Trauerspiel, sind Dankesworte an Musikanten, welche den Schemen Leben einhauchten, sie beben und zucken lassen, flirren, wabern, zerfallen. Die letzten Töne verklingen, die Gestalt entrinnt. Hände schlagen aufeinander, kaum hörbar erhebt sich das erste Klatschen, schwillt an, bricht aus. In Wellen bricht der Applaus hervor, gefärbt von einem leisem Raunen, welches Bewunderung verbirgt.

Am 05. März fand die alljährliche Ehrenpreisvergabe am RLG statt. In den acht Kategorien Schulentwicklung, Neue Medien, Musik und Kultur, Naturwissenschaften, Sport, Künstlerisches Gesamtwerk, Rosa-Luxemburg-Ehrenpreis und Alumni-Preis wurde bekanntgegeben, wer der Nominierten die begehrte Auszeichnung erhielt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Schüler sich in ihrer Freizeit unentgeltlich an unserer Schule engagieren, welche Vielfalt an Aktivitäten existiert: ob man als Mitglied der Schülerfirma ehrenamtlich Schulkleidung verkauft, sich wie unsere zwei charismatischen Informatikexperten um die Infoboards kümmert, im Musik-Profilkurs mitwirkt, der die Musik zu dem wundervollen Musical „Der Graf und Lucinda“ selbst komponierte und mehrmals aufführte, als Mathematik-Genie auch noch mit einer gehörigen Portion Humor aufwarten kann, in der 4-mal-100-Meter-Staffel den ersten Platz auf Landesebene errang, sich an dem Bühnenstück „Die Feuerzangenbowle“  beteiligte, das Orchester langjährig unterstützte oder sich in der Gesamtschülervertretung durch großes Engagement auszeichnete; alle diese Menschen haben unser Schulleben um einen wichtigen Aspekt bereichert.

Unter der Leitung von Frau Rosner hatten wir die Ehre, mit in den RLE (den Rosa-Luxemburg-Express) einsteigen und unsere Namensgeberin auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. An jeder Station wurde ein ganz besonderer Preis verliehen, man überreichte Blumen und Urkunden, traf auf strahlende Gesichter und tosenden Applaus. Moderiert wurde die Fahrt von acht selbstbewussten und ortskundigen Fünftklässlern, die den Zuschauern die Etappen in Rosas Leben erläuterten. Musikalisch wurde die Veranstaltung von der Band Bluestooth unterstützt. Sie sorgte für Abwechslung auf den Bahnhöfen und das Publikum wippte zugleich im Takt mit, vom Enthusiasmus der Musiker angesteckt. Und wer sorgte für einen geschmeidigen Ablauf ohne technische Komplikationen, die Lautsprecheranlage und die Beleuchtung? Auch wenn viele ihre Arbeit mittlerweile als ganz selbstverständlich hinnehmen, so als wäre sie ein natürlicher Bestandteil der Aulaausstattung, ohne die Aula-AG wäre eine so gelungene Vorführung nie möglich gewesen. Auf dem Weg von einer Station zur nächsten durfte man die kunstvollen Videoproduktionen mit selbstkomponierter Musik bestaunen, sodass man am Ende der Veranstaltung gefühlt durch ganz Europa gereist war. Zurück in Berlin angekommen, hielt Herr Treptow eine kleine Ansprache und bald darauf drängten sich alle Anwesenden in die Mensa, wo bereits ein vorzügliches Buffet vorbereitet worden war.

Bald leerten sich die Teller, Laugenbrezeln, Schinkenrollen, Ananas verschwanden in den Bäuchen. Zurück bleibt Bewunderung; für all die Menschen, die unsere Schule tagtäglich mit ihren Ideen und ihrer Tatkraft schöner machen.

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