IMG-20170226-WA0003Am 21. und 22. März fand in der Mosaikhalle der Siemens AG der Landeswettbewerb Berlin der Stiftung Jugend forscht statt. In der Juniorensparte Schüler experimentieren (für alle Teilnehmer unter 15 Jahren) belegten Yorick Zeschke aus der Klasse 8.1 und Paul S
trohbach aus der  9.1 erfreulicher Weise im Fachgebiet Mathematik und Informatik die Plätze eins und zwei. Paul schrieb ein Programm für die vereinfachte Verwaltung von Judowettkämpfen, welches sich durch seine Übersichtlichkeit, Vollständigkeit und eine für Kampfrichter geeignete Oberfläche auszeichnet. Yorick entwickelte eine Applikation für das Digitalisieren von Kassenbons mit Hilfe eines QR – Codes, der von Handys, Smartphones und Tablets gescannt und ausgelesen werden kann. Dieser sogenannte „QR – Bon“ ermöglicht eine strukturierte Verwaltung der Einkaufszettel, ist kostengünstig und papiersparend. Zu diesem Projekt und seinem Engagement bei
Jugend forscht haben wir mit Yorick ein Interview geführt.

Kissengenstraße 12:Herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg beim Landeswettbewerb! Wie hast Du denn zu Deiner Projektidee gefunden?

Yorick Zeschke:Danke! Bei der Vorbereitung auf einen Programmierworkshop namens Jugend hackt unter dem Motto „Nachhaltig mit Programmen die Welt verbessern“ kam ich zu dem Schluss, dass in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens durch Digitalisierung Papier gespart werden könnte und dies langfristig die Umwelt schont. Zunächst schrieb ich eine einfache Version meiner Idee in ein Computerprogramm um und gewann bei dem Wettbewerb Jugend hackt auch zugleich einen Preis, der mich zum Weiterverfolgen des Projekts ermutigte.

Kissengenstraße 12: Wo hast Du vorwiegend gearbeitet?

Yorick: Vor allem habe ich mich zu Hause in meiner Freizeit, beispielsweise an Wochenenden, der Entwicklung der Applikation gewidmet. Für die Teilnahme an Jugend forscht schrieb ich das gesamte Programm von Grund auf neu, um es genauer auszuführen und zu verlängern. Dies nahm mehrere Monate in Anspruch.

Kissengenstraße 12: Was zeichnet Dein Projekt aus?

Yorick: Die Grundidee an sich ist nicht vollkommen unbekannt gewesen. Das Besondere ist, dass ich eine neue Datenaustausch-Technologie eingesetzt habe. Gerne würde ich sie anderen Programmierern in einer Open Source Library zur Verfügung stellen, wo jeder Interessent sie nutzen und verbessern kann. Auch wäre dort die Idee so allgemein gehalten, dass sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten ergäben.

Kissengenstraße 12: Hättest Du auch Ideen, was man noch verbessern könnte?

Yorick: Die Schnittstelle zwischen Computer und Kasse funktioniert noch nicht. Zwar habe ich mehrere Firmen, die Kassen herstellen, angeschrieben, erhielt jedoch bis jetzt noch keine Antwort. Das ist auch der Grund, weshalb das System im Alltag leider noch nicht eingesetzt werden kann.

Kissengenstraße 12: Welche Schwierigkeiten haben sich während der Ausarbeitung ergeben?

Yorick: Zu Anfang besaß ich noch keine Erfahrung im Programmieren längerer Applikationen. Deshalb kostete mich das sinnvolle Strukturieren etwas Mühe. Auch musste ich der Versuchung widerstehen, oberflächlich und schnell zu arbeiten, denn dies wäre nur auf Kosten der Flexibilität des Programms und seiner Sauberkeit möglich gewesen. Insgesamt hat das Projekt den Umfang von einem Jahr, was für meine Verhältnisse sehr groß ist. Der erste Platz im Landeswettbewerb ist deshalb ein noch stärkerer Ansporn, das Programmieren weiterzuführen und mich weiter diesem Thema zu widmen.

Kissengenstraße 12: Du hast auch ein stattliches Preisgeld gewonnen, insgesamt beträgt es 375 Euro. Was gedenkst Du mit ihm anzufangen?

Yorick: Ich möchte mir einen leistungsfähigeren Computer anschaffen, da der Transport meines Laptops überallhin, wo ich arbeiten möchte, auf die Zeit doch recht anstrengend ist.

Kissengenstraße 12: Nun, das wäre eine langfristige Investition für Deine nächsten Projekte! Die Frage, ob Du nächstes Jahr bei Jugend forscht dabei sein möchtest, können wir getrost auslassen, oder? Hast Du noch Empfehlungen für andere Teilnehmer im Bezug auf die Realisierung ihrer Ideen?

Yorick: Ich empfehle, sich auf alle Fälle über die wissenschaftlichen Hintergründe, technische Details und die angewendeten Verfahren sehr gründlich zu informieren. Es ist ratsam, viele Fachwörter zu verwenden, jedoch nur wenn man sie wirklich selbst begriffen hat und der Jury in einem Satz klar und verständlich erklären kann. Neben fundiertem Fachwissen sind auch Begründungen der gewählten Vorgehensweisen und Selbstreflexion von großem Vorteil. Man sollte genau wissen, wovon man spricht.

Kissengenstraße 12: Welche Möglichkeiten bietet der Wettbewerb für Dich?

Yorick: Das Schönste ist eigentlich, eine eigene Idee selbstständig umzusetzen und Anderen nahezubringen. Es gibt so viele ausgezeichnete Ideen, und wenn man ein Problem gründlich bis in seine Tiefen untersucht, es anschließend vereinfacht und zuletzt vielleicht sogar eine neue Erfindung beisteuert, sind wir beim Erforschen angelangt – und damit auch bei Jugend forscht!

Kissengenstraße 12: Welche Erfahrungen nimmst Du von Schüler experimentieren mit?

Yorick: Als erstes kommt mir Durchhaltevermögen in den Sinn. Bei Problemen nicht aufzugeben, sondern selbstständig nach Lösungen suchen, ist hier sehr wichtig. Auch ist es interessant zu lernen, wie man eine wissenschaftliche Arbeit zu einem Thema verfasst. Bis jetzt haben wir dies in der Schule nur am Rande behandelt.

Kissengenstraße 12: Hättest Du noch Verbesserungsvorschläge für den Wettbewerb?

Yorick: Zu den an den Ausstellungsständen zur Verfügung gestellten Mitteln möchte ich anmerken, dass lediglich Stromanschlüsse heutzutage nicht mehr ausreichen. Der Zugang zu Wasser und Gas wäre wünschenswert, aber ein freier WLAN-Zugang ist einfach existenziell! Ich musste mein Programm über das Handy laufen lassen und habe dabei fast mein gesamtes Internetguthaben aufgebraucht (leichtes Seufzen, gefolgt von einem verschmitzten Lächeln). Das sollte man schleunigst ändern!

Eine stärkere Alterstrennung innerhalb der Kategorien im Regionalwettbewerb würde ich ebenfalls für sinnvoll erachten. Und ich würde es begrüßen, nein, ich bitte darum, ich fordere dazu auf, die Gewinner der Landesrunden Schüler experimentieren auch zum Bundeswettbewerb zuzulassen! Erhört meinen Antrag! Sonst gingen Euch viele wunderbare Ideen und junge Talente verloren.

Kissengenstraße 12: Dann haben wir gleich ein Anliegen an die Wettbewerbsleitung! Abschließend könntest Du Dich vielleicht noch selbst beschreiben?

Yorick: Zu meinen Stärken zählen eine schnelle Auffassungsgabe, Ausdauer und die Bereitschaft, aus meinen Fehlern zu lernen. Zuweilen handle ich überstürzt und bewerte meine Umwelt vorschnell, ohne alle Umstände gebührend zu beachten. Sturheit und Verbissenheit sind zwar oft verpönt, doch sie helfen mir, von einem Projekt nicht abzulassen und es bis zum Ende mit Eifer zu verfolgen. Ich bin begeisterungsfähig, leistungsorientiert und meist sehr motiviert bei der Sache. Starker Wissensdurst zeichnet mich aus.

Kissengenstraße 12: Vielen herzlichen Dank für das Interview! Wir gratulieren Dir zu Deinen Erfolgen und wünschen Dir für das nächste Projekt alles Gute!

Das Interview führte Lola, 9.3

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