Eitelkeit. Sie ist eine häufig auftretende Qualität am Menschen, die denselben schon des Öfteren in den mehr oder weniger unfreiwilligen Status der Lächerlichkeit gezerrt hat. Dennoch leben viele Menschen von und mit ihrer Eitelkeit, zehren vom tagtäglichen Blick in den Spiegel und vergessen sich dem Hang der Realität unterzuordnen- letztendlich findet sich immer ein Ende. Schönheit ist eine Momentaufnahme, sie ist vergänglich. Talent währt meistens länger, es ist bewundernswert, solange man sich der Bescheidenheit bedient. Nach zuletzt aufgeführter Fasson treten die Darsteller des DS-Ensembles von Frau Kündiger auf. Und damit ist nicht etwa das Auftreten in der Aula gemeint, im Gegenteil. Viel eher die tägliche Begegnung mit den Darstellern im Schulgeschehen, was sie neben den großartigen Vorstellungen der letzten Tage noch sympathischer erscheinen lässt. Auf der Bühne, dort wo sich Ausdruck und Sinn vereinen lassen, entfalten sie dann ihre feurige Seite, zeigen Leidenschaft und demonstrieren das Scheitern des Menschen am eigenen sein. Viele Schüler_innen, Lehrer_innen und Eltern wurden durch „Narziss und Echo“ bewegt und zum Nachdenken angeregt. Eitelkeiten vor’s Licht geführt. Lisa Bauermeister, eine Darstellerin der Inszenierung, erklärte sich bereit, sich unseren Fragen zu stellen.

Lisa, du bist nun schon seit einigen Jahren im DS-Ensemble von Frau Kündiger, hast schon in mehreren Aufführungen mitgespielt, was ist in diesem Jahr bei „Narziss und Echo“ anders im Vergleich zu früheren Stücken wie z.B. „Reinecke Fuchs“ oder „Macbeth“?
Es ist immer anders. Die Inszenierungen haben natürlich immer eine Handschrift von Frau Kündiger, aber trotzdem sind sie jedes Jahr anders, weil auch jedes Jahr ein anderer Kurs da ist und andere Ideen reinkommen und andere neue Facetten. Dieses Jahr ist ja die Besonderheit, dass jeder eine Szene hat, in der er auch irgendwie aufgehen kann, jeder seine eigene Rolle besitzt und das Bühnenbild ist denke ich ebenfalls besonders, sowas hatten wir in der Art noch nicht.
…und was wolltest du in deiner Szene, bzw. zusammen mit Frau Kündiger und dem DS-Kurs, besonders betonen? 
In unserer Szene geht es ja um Mann und Frau und ich glaube man hat ganz gut gesehen, dass die Frau dem Mann, ja sagen wir, sehr hinterher rennt und der Mann aber eher damit beschäftigt ist sich toll zu finden. Zum Beispiel nimmt er auch die weiblichen Attribute an, nicht weil er jetzt irgendwie Transvestit ist sondern einfach, weil er diese Schönheit, weil er sie verehrt und die Frau sucht immer nach Aufmerksamkeit aber sie kann sie nicht ganz erlangen.
Vielleicht seid ihr in der Gruppe auch zu dem Konsens gekommen, dass ihr euch teilweise mit den Figuren identifizieren könnt oder ihr euch mit diesem Konflikt, der Eitelkeit unserer modernen Gesellschaft, alltäglich konfrontiert seht? Habt ihr da eigene Lebensweisen erkennen können oder sogar verändert?
Also einerseits auf jeden Fall identifizieren, mit vielen Aspekten auf jeden Fall, gerade auch dieses Suchen und Finden und dieses gesucht werden usw. finden wir bei jedem. Und uns ist auch aufgefallen, dass sich jetzt zwar nicht jeder mit seiner Rolle einhunderprozentig identifizieren kann im Sinne von „Ich lebe genauso in meinem echten Leben auch“, aber wir haben es glaube ich geschafft dieses Jahr, dass jeder die Rolle spielt, in der er am besten wirkt. Ansonsten wie gesagt, identifizieren auf jeden Fall mit den Thematiken.
Ich habe das Stück bereits gesehen und es steckt unheimlich viel Energie und unheimlich viel Kraft dahinter. Wie viel Zeit habt ihr darin investiert?
… so wie immer (lacht)! Also das heißt von Januar bis März die intensive Probenphase, ansonsten natürlich Unterricht Montags immer, intensive Probenphase bedeutet dann jedes Wochenende, Samstag, Sonntag und das zieht sich dann immer weiter, die Spanne von 11-15 Uhr bis irgendwann 10 bis 18 Uhr und in den Ferien.
Kommt es da nicht manchmal vielleicht sogar zu Spannungen, wenn man sich so oft sieht?
Klar, aber das ist eigentlich auch ganz wichtig. Ich glaube, dass braucht so ein Kurs auch. Und wenn es einmal so einen Konflikt gab und der gelöst ist, dann bringt das wieder ganz neue Ideen. Klar, wenn man sich so oft sieht. Ich sehe die Leute im Kurs teilweise mehr als meine Familie…

…dann wächst man auch stark zusammen, es heißt ja nicht umsonst „DS-Familie“…
Genau! Deswegen können wir glaube ich auch eine hohe Intimität auf der Bühne zeigen, weil wir uns einfach so gut kennen.
Frau Kündiger ist sehr engagiert, so kam es schon des Öfteren zu Gastauftritten auf „echten“ Theaterbühnen wie z.B. in Aachen oder in Braunschweig. Habt ihr da schon irgend etwas in Aussicht, mit „Narziss und Echo“?
In diesem Jahr sind wir bei einem Festival eingeladen, in Korbach. Das ist also auch ein Theaterfestival wo nicht spezifisch Schul DS-Kurse, sondern Jugend-Theater vorgestellt wird. Da wurden wir ausgewählt, mit sieben oder sechs Anderen, ich weiß es nicht mehr genau, und sind dann dort eine Woche, gucken uns die Stücke an, reden darüber und genießen Theater.

Das freut uns, möchtest du noch etwas mitgeben für unsere Leser?
(schmunzelt) Guckt euch das Stück an, damit ihr das Interview versteht. Und ich bin froh über jeden, der sich das Stück angeschaut hat. Ich bin auch glücklich über Rückmeldungen, egal ob positiv oder negativ.
Dann danke ich dir sehr herzlich für das Interview und hoffe, ein weiteres Stück von euch im nächsten Jahr zu sehen!
Das Interview führte Tom Wickmann

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.