Ein blassgelbes Gebäude kauert sich zwischen grünen Pinienbäumen und Akazien an den Hang eines Hügels. Es ist reich an Fenstern, vom Schulhof aus genießt man eine beeindruckende Sicht auf die sich in Talbecken ergießenden Häuserdächer. In der Ferne glänzt das Mittelmeer, nur Kreuzfahrtdampfer stören die feine Silhouette der Stadt.
Die Schüler strömen aus den sich öffnenden Pforten, die Jüngeren spielen Fußball, andere lassen sich auf grün gestrichenen Bänken nieder und verzehren ihre Pausenbrote, dick belegt mit Serranoschinken.
Über dem Panorama  der Stadt erheben sich die sonnenverbrannten Berge, von denen sich Funkmasten, Kirchtürme und ein Riesenrad gegen den hellblauen Himmel abheben. Und hinter der Schule, komplett mit dem Alltag verschmolzen,  liegt der wunderschöne Park Güell, berühmt für seine aufwendigen Mosaike aus der Zeit des Modernisme.

Als Meisterwerk Gaudís angepriesen, lockt er jährlich Millionen von Touristen nach Barcelona, auch liebevoll „la gran encisera“ („die große Zauberin“) genannt. Den Spitznamen verdankt die katalanische Hauptstadt dem Dichter Joan Maragall, und obwohl dieser ihn ihr schon vor knapp 100 Jahren verlieh, hat er nicht an Aktualität verloren: Denn Barcelona verzaubert seine Besucher. 

So waren auch die insgesamt 55 Neuntklässler des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums begeistert von der Offenheit und Gastfreundschaft der Spanier. Sie hatten dieses Jahr das Glück, im Rahmen eines einwöchigen Spanischaustauschs mit der Escola Virolai, eine katalanische Schule im Herzen Barcelonas besuchen zu dürfen. Es war der erste Schüleraustausch mit Barcelona. Alle interessierten Jugendlichen wurden dieses Jahr an zwei Partnerschulen vermittelt: das Col.legi Sant Domènec de Guzman in Tarragona, eine Stadt 100 Kilometer südwestlich von Barcelona gelegen, und die besagte Escola Virolai. Diese Schule bietet Unterricht auf Katalanisch an, Spanisch wird als Fremdsprache unterrichtet, obgleich alle Schüler beide Sprachen perfekt beherrschen und sich, je nach Situation und Möglichkeit, auf einer der beiden  zu verständigen pflegen. Die letzte Januarwoche 2017 verbrachten die deutschen Schüler zusammen mit ihren Austauschpartnern in barcelonischen Gastfamilien, wobei – anstatt die Schule zu besuchen – die Tage mit einem strikten und hochinteressanten Besichtigungsprogramm ausgefüllt waren, sodass gegen Abend allen die Beine schmerzten. Jedoch wurden die Strapazen reichlich belohnt: Der Besuch der Sagrada Familia, des Barri Gòtic, der olympischen Bauwerke auf dem Montjuïc und des größten Fußballstadions Europas, genannt Camp Nou, waren nur einige Höhepunkte des Aufenthalts. Außerdem bot die Reise die Möglichkeit, für sieben Tage in den Alltag einer katalanischen Familie einzutauchen, seine Spanischkenntnisse zu festigen und viele neue Freundschaften zu schließen. Ganz zu schweigen von der katalanischen Küche.

Nach den Osterferien erfolgte der Gegenbesuch; die Barceloner verbrachten eine Woche in Berlin, die ebenfalls mit ausgiebigen Besuchen der Sehenswürdigkeiten voll ausgefüllt war. Viel zu schnell waren die gemeinsamen Tage verronnen, nach der Abschiedsfeier sagten sich alle „Adiós“ und schon bald rollten auch die ersten Tränen.

Doch trotz des räumlichen Abstands werden sicherlich viele Freundschaften erhalten bleiben. WhatsApp, Instagram, Snapchat und Co. erleichtern es deutlich, die entstandenen Kontakte auch weiterhin zu pflegen. Die sozialen Medien verbinden miteinander, die Jugendlichen sind allesamt weit vernetzt und jederzeit erreichbar, und ich muss, trotz berechtigter Kritik an ihrer exzessiven Nutzung, eingestehen, dass man die Möglichkeit weiterer Besuche zu einem großen Teil ihnen verdankt.

Es ist wundervoll, dass uns eine solch berührende Erfahrung ermöglicht wurde und wir einen Blick in das Alltagsleben der barcelonischen Jugendlichen erhaschen durften.
An dieser Stelle möchte ich besonders Frau von Salviati und Herrn Ruiz-Holst sowie Frau Müller und Frau Vossen hervorheben, die den Austausch organisiert und betreut haben. Ein herzliches Dankeschön für Ihr Engagement! Ich hoffe inständig, dass die entstandenen Freundschaften noch lange bestehen bleiben und kann nur jedem, der in Zukunft die Möglichkeit dieses Austauschs geboten bekommt, dazu raten, diese Chance auch zu nutzen und sich ins Abenteuer zu stürzen!

Von Lola

 

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